Die Evliya-Kasım-Pascha-Moschee in Edirne – ein Reiseführer aus dem 15. Jahrhundert

Die Evliya-Kasım-Pascha-Moschee: ein vergessenes osmanisches Juwel am Ufer der Tundscha in Edirne

Die Evliya-Kasım-Pascha-Moschee steht am nördlichen Ufer des Flusses Tundzha im Stadtteil Kirishhane, etwas südlich des historischen Zentrums von Edirne – und kaum ein anderes Sakralbauwerk aus dem 15. Jahrhundert erzählt eine so dramatische Geschichte vom Kampf gegen das Wasser, die Zeit und das Vergessen. Die Evliya-Kasim-Pascha-Moschee wurde 1478–1479 vom Beylerbey des Rumelischen Eyalets, Kasim Pascha, erbaut, einem Feldherrn unter den Sultanen Mehmed dem Eroberer und Bayezid II., der zu Lebzeiten den Titel „Evliya“ – „Heiliger“ – erhielt. Heute steht der quadratische, einkuppelige Tempel aus behauenem Stein in grüner Abgeschiedenheit, durch einen künstlichen Damm von der Stadt abgeschirmt, und wird seit Ende 2024 einer umfassenden Restaurierung unterzogen, die ihm bis Ende 2026 wieder ein würdiges Aussehen verleihen soll. Ein Reisender, der bereit ist, von den Touristenpfaden der Selimiye abzuweichen und hierher zu kommen, wird etwas Seltenes sehen: frühe osmanische Architektur ohne Vergoldungen und Menschenmassen, in ihrer fast ruinierten Authentizität.

Geschichte und Herkunft der Evliya-Kasim-Pascha-Moschee

Die Geschichte des Denkmals beginnt in der Mitte des 15. Jahrhunderts, als das Osmanische Reich eine seiner glanzvollsten Dekaden erlebte. Kasim Pascha, der bereits in den Jahren 1442–1443 in die Chroniken einging, diente zunächst als Wesir unter Sultan Murad II. und später unter dessen Sohn – Mehmed II. dem Eroberer, der gerade Konstantinopel eingenommen hatte. In einer Zeit, in der sich das Reich aktiv in Rumelien – der europäischen Provinz, die den heutigen Balkan umfasste – festigte, wurde gerade Kasim Pascha zum Beylerbey ernannt, also zum militärischen und zivilen Statthalter dieses gesamten riesigen Gebiets. Seine Persönlichkeit vereinte die Strenge eines Feldherrn mit dem Ruf eines frommen Mannes: Der Titel „Evliya“, „Heiliger“, wurde nicht jedem osmanischen Würdenträger verliehen.

Der Bau der Moschee in den Jahren 1478–1479 fiel in die letzten Jahre der Herrschaft Mehmeds II. und den Beginn der Herrschaft Bayazids II. Edirne bewahrte zu dieser Zeit noch die Erinnerung an den Status der ehemaligen Hauptstadt des Reiches: Von hier aus führte Mehmed II. im Jahr 1453 seine Truppen nach Konstantinopel. Der Bau einer einkuppeligen Kammermoschee in einem ruhigen Viertel am Ufer der Tuna wirkte wie ein Akt persönlicher Frömmigkeit. Nach seinem Tod wurde der Pascha im Innenhof seiner eigenen Moschee beigesetzt – in einer Hazire, wie man auf Türkisch einen kleinen Friedhof bei einem Kultgebäude nennt, und sein Grabmal ist bis heute eine der wichtigsten Reliquien des Komplexes.

In den folgenden vier Jahrhunderten führte die Moschee das gewöhnliche Leben einer Gemeindemoschee und diente den Bewohnern des Stadtteils Kirishhane. Alles änderte sich um die Wende zum 20. Jahrhundert: Ein verheerendes Erdbeben im Jahr 1908 brachte den oberen Teil des Minaretts zum Einsturz – die sogenannte „Kaval“, den schlanken Teil des Schafts oberhalb der Scherefe, des Balkons des Muezzins. Die Wiederherstellung zog sich hin, und die Geologie des Flusses wirkte dem Gebäude entgegen: Der Tundscha trat regelmäßig über die Ufer, und jede Überschwemmung trug nach und nach Mauerwerk und Putz ab. Im Jahr 1950 schlossen die Behörden die Moschee für Gottesdienste und Besuche – ausschlaggebende Gründe waren die wiederkehrenden Überschwemmungen und der Rückgang der Gemeinde: Ein künstlicher Damm, der zum Schutz des Zentrums von Edirne errichtet worden war, schnitt das Viertel von der Stadt ab und beschleunigte die Abwanderung der Bewohner. Für mehr als siebzig lange Jahre wurde die Moschee zu einem stillen Zeugen ohne Gläubige.

Architektur und Sehenswürdigkeiten

Das Bauwerk gehört zur frühosmanischen Tradition der einkuppeligen quadratischen Moscheen – noch ohne die für den ausgereiften Sinan-Stil des 16. Jahrhunderts charakteristischen Kuppelkaskaden. Die Schlichtheit der Form wird hier durch die Qualität der Ausführung ausgeglichen: Das Gebäude besteht aus sorgfältig behauenem Stein (Ashlar), seine Wände sind präzise ausgerichtet, und die Proportionen des Innenraums sind bis ins Detail durchdacht. Daneben befinden sich ein Minarett und ein kleiner Innenhof mit dem Grab des Gründers.

Grundriss, Kuppel und Material

Das Gebäude hat einen streng quadratischen Grundriss und wird von einer einzigen Kuppel überdacht – ein klassisches Schema der „Yek Kubelli-Dschami“, das im 15. Jahrhundert weit verbreitet war. Die Fassade ist nach Norden ausgerichtet, und genau dort befindet sich der Haupteingang. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Baumaterial: Das gesamte Bauwerk besteht aus behauenen Steinblöcken, im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Bauten, bei denen ein gemischtes Mauerwerk aus Ziegeln und Stein verwendet wurde. Dies verleiht dem Bauwerk ein monolithischeres und strengeres Aussehen. Der Son Djemat Eri – der vordere Portikus, in dem diejenigen beteten, die zum gemeinsamen Gebet zu spät kamen – ist bis heute nicht erhalten geblieben; er wurde durch Wasser und den Zahn der Zeit zerstört.

Fassaden, Fenster und Steinsterne

Die Nordfassade ziert das Hauptportal, über dem eine dreizeilige Bauinschrift in osmanischer Sprache – eine Kitabe – angebracht ist. Zu beiden Seiten des Eingangs befindet sich ein Außenmihrab, der von zwei Fenstern flankiert wird: Dieses Detail war notwendig, um im Freien beten zu können, wenn der Innenraum voll besetzt war. An den drei anderen Seiten befinden sich jeweils vier Fenster, die in zwei Reihen angeordnet sind. Die unteren Fenster sind rechteckig, in flache Nischen eingelassen und mit Spitzgiebeln gekrönt; in der Mitte jedes solchen Giebels ist ein kleiner fünfzackiger Stern eingraviert. Dieses schlichte, fast heraldische Ornament verwandelt die Fassaden in einen steinernen Nachthimmel – ein Detail, das man leicht übersehen kann, wenn man nicht weiß, wohin man schauen muss. Die oberen Fenster sind bogenförmig, und in der Mitte der Westwand ist eine Sonnenuhr erhalten geblieben, die einst die Zeit für das Gebet anzeigte.

Die Treppe zum Fluss und der Minarett

Von Süden her führte eine steinerne Treppe mit vierzehn Stufen zur Moschee hinunter, die direkt zur Tundzhe führte: Gläubige und Reisende konnten auf dem Wasserweg hierherkommen. Heute sind von der Treppe nur noch zwei Stufen übrig – die übrigen wurden durch Hochwasser und Schlammablagerungen zerstört. Dennoch vermittelt selbst dieser Fragment ein seltenes Gefühl für die einstige Verbindung der Moschee mit dem Fluss. Das einzige Minarett hat viel durchgemacht: 1908 riss ein Erdbeben seinen oberen Teil ab, der später teilweise wiederhergestellt wurde. Derzeit wird das Minarett, wie das gesamte Gebäude, restauriert.

Der Innenhof, die Hazire und das Grab von Kasim Pascha

Ein kleiner Innenhof mit grünem Gras und einigen Bäumen dient als Hazire – der Familienfriedhof der Moschee. Hier befindet sich das Grab von Evliya Kasim Pascha, dem Gründer des Gotteshauses. Das Grabmal ist in der Tradition osmanischer Wesirgräber gestaltet: eine Steinstele mit einem Turban an der Spitze (der den Titel des Verstorbenen symbolisiert) und einer Inschrift im „Seljuks“-Stil. Für den Reisenden wird dieser Ort zu einem logischen Besichtigungspunkt: Genau hier verwandelt sich die historische Persönlichkeit, zu deren Ehren die Moschee erbaut wurde, von einem Namen auf einer Tafel in einen realen Menschen. Die Stille des Hofes ist im Vergleich zum lauten Platz vor der Selimiye-Moschee besonders spürbar: Hier gibt es weder Souvenirläden noch Reisegruppen – nur das Rascheln der Weiden am Fluss und die vereinzelten Schritte der Einheimischen, die kommen, um das Grab eines Vorfahren herzurichten.

Interessante Fakten und Legenden

  • Kasim Pascha trug zu Lebzeiten den Ehrentitel „Evliya“ – „Heiliger“. In der osmanischen Tradition wurden auf diese Weise Würdenträger ausgezeichnet, die den Staatsdienst mit dem Ruf tiefgläubiger Menschen verbanden; ein solcher Titel kommt äußerst selten vor.
  • Den Chroniken zufolge bekleidete Kasim Pascha im Jahr 1478 das Amt des Beylibejs des Rumelischen Eyalets – einer der beiden wichtigsten Verwaltungseinheiten des frühen Osmanischen Reiches, die die Balkanprovinzen umfasste. Für einen Statthalter dieses Ranges war der Bau einer privaten Moschee eine gängige Praxis, um das Andenken an den Stifter zu bewahren.
  • Die fünfzackigen Sterne, die in die Steingiebel der unteren Fenster eingemeißelt sind, stellen ein seltenes dekoratives Stilmittel des 15. Jahrhunderts dar. Sie werden oft als Verweis auf die Sufi-Symbolik interpretiert, in der der Stern mit dem Nachtgebet und der himmlischen Führung verbunden ist.
  • Nach 1950, als die Moschee geschlossen wurde, entwickelte sie sich zu einer lokalen Stadtlegende in Edirne: Es gab Gerüchte, dass man bei Hochwasser im Gebäude Stimmen hören könne, die Suren rezitieren. Rational lässt sich dies durch das Echo des Windes in der leeren Kuppel erklären, doch die Legende hielt sich über Jahrzehnte.
  • In den 2010er Jahren erwogen die Provinzbehörden zwei radikale Projekte zur Rettung des Denkmals: den Tundzhi-Damm weiter von der Moschee weg zu verlegen oder die Moschee selbst vollständig an einen sicheren Ort zu versetzen. Beide Optionen wurden von den zuständigen Behörden abgelehnt, und schließlich entschied man sich für einen dritten Weg – lokale Wasserbauarbeiten plus Restaurierung.

Anreise

Die Moschee befindet sich im Stadtteil Kirishane im südlichen Teil von Edirne, am nördlichen Ufer des Flusses Tundzha. Am bequemsten gelangt man mit dem Bus von Istanbul aus in die Stadt: Vom Busbahnhof Esenler oder dem neuen Byzas Otogar fahren regelmäßig Busse, die in 2,5 bis 3 Stunden den Busbahnhof von Edirne erreichen. Von Istanbul aus gibt es auch eine Zugverbindung, aber der Bus ist in der Regel schneller und günstiger. Mit dem Auto dauert die Fahrt von Istanbul über die Autobahn O-3/D-100 etwa 2,5 Stunden; in Edirne gibt es bequeme Parkmöglichkeiten am Festungstor und an der Selimiye-Moschee.

Vom Zentrum Edirnes bis zur Evliya-Kasim-Pascha-Moschee sind es etwa 2 Kilometer. Zu Fuß von der Selimiye-Moschee aus sind es 25–30 Minuten: Man muss in Richtung Süden zum Fluss Tünç gehen, über die historische Kanik-Brücke, dann entlang des Damms bis zum Stadtteil Kirishhane. Ein Taxi vom Zentrum kostet nicht viel und benötigt 5–7 Minuten. Stadtbusse und Dolmusse in Richtung Karaağaç fahren ebenfalls in der Nähe vorbei – man sollte an der Haltestelle mit dem Wegweiser zum Stadtteil Kirishhane aussteigen. Bitte beachten Sie: Während der Restaurierungsarbeiten (bis Ende 2026) kann der Zugang zum Gebäude selbst eingeschränkt sein; die Besichtigung erfolgt von außen, hinter der Bauabsperrung.

Tipps für Reisende

Die beste Zeit für einen Besuch ist der späte Frühling (Mai) und der frühe Herbst (September–Oktober), wenn der Wasserstand der Tünce stabil ist und die Temperaturen angenehm für Spaziergänge durch die grüne Aue sind. Im Sommer verwandelt sich das Viertel Kirishhane in einen heißen, fast schattenlosen Ort – nehmen Sie Wasser und eine Kopfbedeckung mit. Im Winter kann der Weg zur Moschee nach Regenfällen aufgeweicht sein, daher ist bequemes, wasserdichtes Schuhwerk unerlässlich. Planen Sie für die Besichtigung selbst 45–60 Minuten ein, zuzüglich der Anfahrtszeit: Dies ist kein Ort, an den man „mal kurz“ vorbeischauen sollte, hier zählt der Rhythmus des ruhigen Ufers.

Kombinieren Sie den Besuch mit dem Wahrzeichen der Stadt – dem Selimiye-Komplex, einem Werk des großen Mimar Sinan und UNESCO-Weltkulturerbe. Eine sinnvolle Halbtagestour: morgens die Selimiye, dann hinunter zum Tünce, zur Kanik-Brücke und zum Abschluss zur Kasim-Pascha-Moschee. In Edirne lohnt sich auch ein Besuch des Komplexes von Sultan Bayezid II. (Bayezid II Külliyesi) mit seinem einzigartigen Museum für Medizingeschichte und der Alten Moschee (Eski Camii). Für russischsprachige Reisende wird das Viertel Kirishhane den Flussauen vor Moskau erstaunlich ähnlich erscheinen – dasselbe Weidengrün, dieselben Spiegelungen der Wolken im trägen Wasser, aber mit osmanischem Stein anstelle von Blockhütten.

Die Regeln für den Besuch religiöser Stätten in der Türkei gelten hier auch bei geschlossenem Gebäude: Frauen sollten ein Kopftuch dabei haben, die Kleidung muss Schultern und Knie bedecken. Das Fotografieren von außen ist erlaubt und stellt kein Problem dar; eine Drohne sollte man jedoch nicht über das Objekt fliegen lassen – erstens wegen der Nähe zur Grenze zu Griechenland und Bulgarien (Luftraumbestimmungen), zweitens wegen der laufenden Restaurierungsarbeiten. Wenn Sie aus Edirne etwas anderes als die üblichen Magneten mitbringen möchten, schauen Sie auf dem alten Stadtbasar nach traditioneller Seife mit Honig und Tulpenduft sowie nach dem berühmten Edirnener Gebäck „Badem Ezmesi“ – Marzipan aus lokalen Mandeln. Nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 2026 ist eine teilweise Öffnung für Touristen geplant, doch der Zeitplan steht noch nicht fest – informieren Sie sich vor Ihrer Reise auf der Website der Generaldirektion für Kulturerbe der Türkei. Die Evliya Kasim-Pascha-Moschee ist ein seltenes Beispiel dafür, wie ein vergessenes Denkmal aus dem 15. Jahrhundert durch die Bemühungen einer einzigen Provinz wieder zum Leben erweckt wird, und sie vor ihrer vollständigen Restaurierung in ihrem sorgfältig erhaltenen, ruinösen Originalzustand zu sehen, ist ein besonderes, fast privates Erlebnis, das kein anderer Touristenmagnet in Edirne bieten kann.

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Häufig gestellte Fragen — Die Evliya-Kasım-Pascha-Moschee in Edirne – ein Reiseführer aus dem 15. Jahrhundert Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Die Evliya-Kasım-Pascha-Moschee in Edirne – ein Reiseführer aus dem 15. Jahrhundert. Informationen zur Funktionsweise, zu den Möglichkeiten und zur Nutzung des Dienstes.
Kasim Pascha – osmanischer Feldherr und Staatsmann des 15. Jahrhunderts, der unter den Sultanen Murad II., Mehmed II. dem Eroberer und Bayezid II. als Beylerbey des Rumelischen Eyalets diente. Der Titel „Evliya“ bedeutet „Heiliger“ und wurde ihm zu Lebzeiten für die Verbindung seines Militärdienstes mit dem Ruf eines zutiefst frommen Menschen verliehen. Ein solcher Titel zu Lebzeiten war in der osmanischen Tradition äußerst selten, was Kasim Pascha unter seinen Zeitgenossen hervorhob.
Die Moschee wurde in den Jahren 1478–1479 erbaut und gehört zur frühosmanischen Tradition der einkuppeligen quadratischen Moscheen – dem sogenannten Typ „Yek Kubelli Camii“. Es handelt sich um Architektur aus der Zeit vor Mimar Sinan: ohne mehrkuppelige Kaskaden und ohne die feierliche Monumentalität des ausgereiften klassischen Stils. Das gesamte Gebäude besteht aus behauenen Steinblöcken (Ashlar), was ihm im Vergleich zu Bauten aus gemischtem Ziegel- und Steinmauerwerk derselben Zeit eine besondere Monolithik und Strenge verleiht.
Im Jahr 1950 schlossen die Behörden die Moschee aus zwei miteinander verbundenen Gründen: den regelmäßigen Überschwemmungen des Flusses Tundzhi, die das Mauerwerk und den Putz nach und nach zerstörten, und dem starken Rückgang der Gemeinde. Ein künstlicher Damm, der zum Schutz des Zentrums von Edirne errichtet worden war, schnitt das Viertel Kirishhane faktisch von der Stadt ab, was den Wegzug der Bewohner beschleunigte. Gottesdienste und Besuche wurden eingestellt, und die Moschee stand mehr als sieben Jahrzehnte lang leer.
Kleine fünfzackige Sterne sind in die spitzen Steingiebel über den unteren Fenstern aller drei Seitenfassaden eingemeißelt. Dies ist ein seltenes dekoratives Stilmittel für das 15. Jahrhundert – Forscher interpretieren es oft als Anspielung auf die Sufi-Symbolik, in der der Stern mit dem nächtlichen Gebet und der himmlischen Führung verbunden ist. Bei flüchtiger Betrachtung kann man sie leicht übersehen: Die Sterne sind klein und fügen sich harmonisch in das Steinornament ein, wodurch an der Fassade der Eindruck eines erstarrten Nachthimmels entsteht.
Ja, seit Ende 2024 findet eine umfassende Restaurierung statt. Die Arbeiten sollen planmäßig bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Danach ist eine teilweise Öffnung für Touristen vorgesehen, ein genauer Zeitplan steht jedoch noch nicht fest. Bis zum Abschluss der Arbeiten ist der Zugang zum Gebäude selbst eingeschränkt – eine Besichtigung ist von außen, hinter der Bauabsperrung, möglich. Es wird empfohlen, den aktuellen Stand vor der Reise auf der Website der Generaldirektion für Kulturerbe der Türkei zu überprüfen.
Im Innenhof der Moschee – dem Hazire, einem kleinen Friedhof neben dem Gotteshaus – ist der Gründer selbst, Evliya Kasim Pascha, begraben. Das Grabmal ist im Stil der osmanischen Wesirgräber gestaltet: eine Steinstele mit einem Turban an der Spitze, der auf den hohen Titel des Verstorbenen hinweist, und einer Inschrift im „Seljus“-Stil. Es ist eines der wichtigsten Relikte des gesamten Komplexes und wohl der persönlichste Ort, an dem die historische Figur aufhört, nur ein Name auf einer Tafel zu sein.
Ursprünglich führte von der Südseite der Moschee eine Steintreppe mit vierzehn Stufen hinunter, die direkt zum Fluss Tundzhe führte – so konnten Gläubige und Reisende den Ort auf dem Wasserweg erreichen. Hochwasser und Schlammablagerungen haben zwölf Stufen zerstört: Heute sind nur noch die beiden untersten erhalten. Selbst dieser Fragment vermittelt einen seltenen Eindruck davon, wie eng die Moschee vor fünf Jahrhunderten mit dem Leben des Flusses und des Stadtviertels verbunden war.
Das Fotografieren von außen ist erlaubt und stößt bei den Anwohnern und den Mitarbeitern des Restaurierungsteams auf kein Unverständnis. Vom Einsatz einer Drohne über dem Objekt wird aus zwei Gründen dringend abgeraten: Die Moschee befindet sich in der Nähe der Grenze zu Griechenland und Bulgarien, wo besondere Luftraumbestimmungen gelten, sowie in einem Bereich, in dem aktive Restaurierungsarbeiten stattfinden – Flüge können durch die geltenden Vorschriften zum Schutz des Objekts ausdrücklich verboten sein.
Die Selimiye-Moschee – ein UNESCO-Weltkulturerbe, ein Meisterwerk des reifen klassischen Stils des 16. Jahrhunderts und ein architektonischer Triumph von Mimar Sinan: grandios, feierlich und stets voller Touristen. Die Evliya-Kasım-Pascha-Moschee ist ihr komplettes Gegenteil: intim, ruhig, fast verfallen, ohne Souvenirläden und Reisegruppen. Sie zieht diejenigen an, die frühe osmanische Architektur in unberührter Authentizität suchen und denen der persönliche, fast private Kontakt mit der Geschichte wichtig ist. Es macht wenig Sinn, extra nur wegen ihr dorthin zu fahren, aber in Kombination mit einem ausgiebigen Spaziergang durch Edirne ist sie ein logischer und lohnender Punkt auf der Route.
Nach 1950, als das Gebäude leer stand, verbreiteten sich in Edirne Gerüchte: Bei Hochwasser habe man in der Moschee angeblich Stimmen gehört, die Suren rezitierten. Diese Geschichte hielt sich über Jahrzehnte hinweg und wurde Teil der städtischen Folklore. Eine rationale Erklärung ist das Echo des Windes im leeren, gewölbten Raum der Kuppel, verstärkt durch das an den Wänden stehende Wasser. Dennoch verleiht die Legende der verlassenen Moschee eine besondere Atmosphäre, die Reisende auch heute noch oft in der Stille des Stadtviertels Kirishhane spüren.
Eine sinnvolle Halbtagestour: Am Vormittag der Selimiye-Camii-Komplex (UNESCO-Weltkulturerbe), anschließend hinunter zum Fluss Tünç über die historische Kanik-Brücke und als Abschluss die Kasım-Pascha-Moschee. Ebenfalls sehenswert in Edirne sind der Bayezid-II.-Külliyesi-Komplex mit seinem einzigartigen Museum für Medizingeschichte und die Eski Camii – die Alte Moschee. Als gastronomische Souvenirs empfehlen wir „Badem Ezmesi“ – Edirne-Marzipan aus lokalen Mandeln – sowie traditionelle Seife mit Honig und Tulpenaroma vom Stadtbasar.
Ja, an der Westwand der Moschee ist eine Sonnenuhr erhalten geblieben. In der osmanischen Tradition wurden solche Uhren aus praktischen Gründen an Sakralbauten angebracht: Sie halfen dabei, die genaue Zeit für das Namaz – die täglichen Pflichtgebete, die an den Stand der Sonne gebunden sind – zu bestimmen. Für ein Viertel ohne zentralen Platz und ohne Muezzin mit einem vollständigen Minarett war ein solches Instrument besonders wichtig. Heute ist dies eines der wenigen erhaltenen Elemente der zweckmäßigen Ausstattung der Moschee.
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Die bequemste Möglichkeit von Istanbul aus ist der Bus vom Busbahnhof Esenler oder vom neuen Byzas Otogar: Die Busse fahren regelmäßig, die Fahrt dauert 2,5 bis 3 Stunden und ist in der Regel günstiger als die Zugfahrt. Mit dem Auto dauert die Fahrt über die Autobahn O-3/D-100 etwa 2,5 Stunden; in Edirne gibt es bequeme Parkmöglichkeiten am Festungstor und an der Selimiye-Moschee. Es gibt auch eine Zugverbindung, die jedoch länger dauert. Informieren Sie sich im Voraus über den Fahrplan und die Verfügbarkeit von Plätzen – insbesondere an den Feiertagen im Mai und September.
Bis Ende 2026 wird die Moschee restauriert, daher können sich die Besuchszeiten ändern. Besuchen Sie vor Ihrem Besuch die Website der Generaldirektion für Kulturerbe der Türkei oder das örtliche Tourismusbüro in Edirne, um sicherzustellen, dass eine Besichtigung von außen möglich ist und die Bauzäune die Zugänge nicht versperren. Das spart Zeit und erspart Ihnen Enttäuschungen vor Ort.
Auch wenn die Moschee für Besucher geschlossen ist, beachten Sie bitte die Regeln für den Besuch religiöser Stätten: Frauen sollten ein Kopftuch mitnehmen, und die Kleidung muss Schultern und Knie bedecken. Im Mai und September ist das Wetter angenehm für einen Spaziergang durch die Aue. Im Sommer gibt es im Stadtteil Kirishhane kaum Schatten – nehmen Sie Wasser und eine Kopfbedeckung mit. Im Winter und nach starken Regenfällen kann die Straße überflutet sein, daher ist festes Schuhwerk unerlässlich.
Von der Selimiye-Moschee bis zur Kasim-Pascha-Moschee sind es etwa 2 Kilometer. Zu Fuß dauert der Weg 25–30 Minuten in Richtung Süden zum Fluss Tundzscha: Als Orientierungspunkt dient die historische Kanik-Brücke, danach geht es entlang des Damms bis zum Stadtteil Kirishhane. Am besten ist es, die Moschee als letzten Punkt der morgendlichen Route einzuplanen: zuerst Selimiye, dann der Abstieg zum Fluss. Eine Taxifahrt vom Zentrum dauert 5–7 Minuten und ist günstig; Stadtbusse und Dolmusse in Richtung Karagach fahren ebenfalls in der Nähe vorbei – steigen Sie an der Haltestelle zum Viertel Kirishhane aus.
Selbst wenn der Eingang geschlossen ist, gibt eine äußere Besichtigung viel Aufschluss. Gehen Sie einmal um das Gebäude herum: An der Nordfassade finden Sie eine dreizeilige Bauinschrift – eine Kitaba – über dem Hauptportal sowie einen äußeren Mihrab zu beiden Seiten des Eingangs. Betrachten Sie an den Seitenwänden aufmerksam die unteren Fenster: In den steinernen Spitzgiebeln über jedem von ihnen ist ein kleiner fünfzackiger Stern eingemeißelt – ein Detail, das man leicht übersehen kann. An der Westwand finden Sie eine Sonnenuhr. Achten Sie an der südlichen Ecke auf die beiden verbliebenen Stufen der alten Treppe zur Tundzhe.
Der kleine Innenhof der Moschee – die Hazire – ist in der Regel nur während der Restaurierungsarbeiten zugänglich. Hier befindet sich das Grabmal von Evliya Kasım Pascha selbst: eine Steinstele mit einem Turban an der Spitze und einer Inschrift im „Seljuk“-Stil. Nehmen Sie sich an diesem Ort ein paar Minuten der Stille: Genau hier hört die historische Figur auf, eine Abstraktion zu sein, und wird zu einem realen Menschen, dessen Namen die Moschee bereits seit fünfeinhalb Jahrhunderten trägt. Der Hof ist ruhig, ohne Touristengruppen – ein guter Ort, um das Gesehene zu verarbeiten.
Nachdem Sie die Moschee besichtigt haben, spazieren Sie ein Stück am Ufer des Flusses Tundzha entlang: Die Weidenauen des Stadtteils Kirishhane bilden einen starken Kontrast zum belebten Zentrum von Edirne und vermitteln ein Gefühl echter Stille. Planen Sie für die gesamte Besichtigung 45–60 Minuten ein, einschließlich der Anfahrt. Kehren Sie ins Zentrum zurück und lassen Sie den Tag auf dem Stadtbasar ausklingen: Hier lohnt es sich, „Badem Ezmesi“ – Edirnes Marzipan aus lokalen Mandeln – sowie traditionelle Seife mit Honig und Tulpenaroma zu kaufen, die nur in dieser Region hergestellt werden.